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Montag, 16. März 2009

Jim Cramer on Jon Stewart's show

Vielleicht muss man das erklären: Jim Cramer hat eine Show im US-Fernsehen mit dem zu diesen Zeiten passenden Namen "Mad Money", in der er wie in einem Hobbyzimmer für überkokste Investment Banker steht, rumspringt und die Kamera anschreit, man möge doch bitte diese Aktien verkaufen (Sell, sell, sell!!) oder möglichst jene Fonds kaufen, um dann in einer Videoschnitt-Geschwindigkeit von einem Gedanken alle zwei Sekunden zu erklären, warum das auch noch sinnvoll sei. Dieser Marktschreier des Turbokapitalismus, auf den nun alle schauen, als hätten wir ihn schon hinter uns (nicht den Marktschreier), wird jetzt interviewt von dem vielleicht besten politischen Journalisten der USA, Jon Stewart.

Der etwas merkwürdige Twist an dieser ganzen Geschichte ist nur, dass Jon Stewart eigentlich ein Comedian ist und seit neun Jahren eine Art CNN-Parodie als Comedy-Show moderiert. Erstaunlich an diesem Mann ist die Tatsache, dass ihn sein Job, der darauf abzielt, die absurde Szenerie US-amerikanischer Politik satirisch auf die Spitze zu treiben, zu einem präzise analysierenden und messerscharf fragenden Journalisten gemacht hat. Stewarts Interviews sind legendär, weil bissig, authentisch und hochkonzentriert. Dass diese Konstellation auch noch unterhaltsam ist (und zwar schon seit Jahren mehr als die etwas abgehangenen Late-Night-Dinosaurier Leno und Lettermann), bleibt wohl das ewige Alleinstellungsmerkmal US-amerikanischer Unterhaltungsindustrie, die eben doch meistens ein paar Neuronen weiter ist als der Rest.

Enjoy.

Freitag, 19. Dezember 2008

relationales Denken bei Humboldt

Aus Alexander von Humboldts Examen critique:

Alles was zur Bewegung anregt, möge die bewegende Kraft sein welche sie wolle, Irrthümer, unbestimmte Muthmaßungen, instinktmäßige Divinationen, auf Thatsachen gegründete Schlußfolgen, führt zur Erweiterung des Ideenkreises, zur Auffindung neuer Wege für die Macht der Intelligenz.

Montag, 17. März 2008

the medium is the message

Borges war ein elitärer Schriftsteller und wird es bleiben, sofern man das wertfrei sagen kann. Er wandte sich an die, die ihm zuhören mochten, und scherte sich nicht um die anderen. Vielleicht ist das der Schlüssel zu seiner Doppelköpfigkeit, wie sehr es sich auch lohnen mag, Borges im Licht der Computerbildschirme zu studieren: Er scherte sich nicht, während sich das Internet gefräßig um alles und jedes schert, auch das Blödeste und Niedrigste. Dafür brauchen wir es, gewiss, und offenbar wollen wir es sogar und sind also selbst schuld: aber zugleich entfernen wir uns von der Möglichkeit zur Versenkung, die vor der Ankunft dieses konzentrationstötenden Mediums einmal existierte.

Paul Ingendaay, F.A.Z. vom 12. Februar 2008, S. 31

Samstag, 15. März 2008

how to: leben (allgemein)

ich arbeite jeden tag zehn bis zwölf stunden, gehe jeden tag ins café, treibe keinen sport und schreibe nur, was ich selber gerne lese. ich versuche, nie länger als eine woche an einem ort zu sein, mein vorbild sind die todeswandfahrer, die früher auf rummelplätzen aufgetreten sind, als es noch kettenkarussells und schiffsschaukeln gab. ich fragte mich: wie schaffen die es nur, nicht abzustürzen? bis ich im physikunterricht lernte, dass die zentrifugalkraft stärker sein muss als die zentripetalkraft.

das ist alles worauf es im leben ankommt.

henryk m. broder, cicero 5/2007

Freitag, 7. März 2008

Yes, the U.S. can.



This is not just eloquent rethorics. This is new and inspiring leadership. This is a chance to regain confidence in a country and its governance that has done everything to spoil it. Now is the right time for this to happen. Time not for a, but for this change. And yes indeed, the world is watching.

Montag, 24. Dezember 2007

mimesis

fotografier mir Philosophie

und ich schreib dir einen Baum.



Frohe Weihnachten.


Freitag, 30. November 2007

lo mio

lo mio no es la gota que cae sobre la piedra.

lo mio es la gota que cae en el vaso.

y que lo hunde.

Dienstag, 7. August 2007

flankengötter


flankengötter
Originally uploaded by blorges
am freitag geht es wieder los.

vorläufige blorges-prognose für 07/08

1. bayern
2. schalke
3. bremen
4. dortmund
5. stuttgart

dfb-pokal: dortmund

uefa-cup: bayern verliert im finale

champions league: ManU

says,

blorges Abwehrmaschine

p.s.: kick it like Mertesacker.

Freitag, 11. Mai 2007

ein freier mann

heute habe ich diesen satz tatsächlich gesagt. und mich nachher nicht einmal dafür geschämt.

im gegenteil: ich trage jetzt ein rotes t-shirt, das mir bei drei kilo weniger auf der hüfte richtig gut stehen würde. dabei trage ich eigentlich nie rot. und jetzt steht da "universität potsdam" drauf. das "est. 1991" klingt zwar noch etwas bemüht, aber der rest us-college-romantik geht schon in ordnung. so fangen sie alle an, die uni-shops.

und ich fang jetzt mit was anderem an.

mit ein bisschen lehre. mit übersetzeraufträgen. mit freier projektarbeit. mit umzug nach berlin.

und vorher hab ich also gesagt, noch meine examensklausur in der hand:

als student betrat ich das gebäude, als freier mann verlass ich es.


katusch! das war's.

Mittwoch, 9. Mai 2007

freiheit

materielle freiheit ist eine treppe ohne tür.

geistige freiheit ist eine tür ohne treppe.

Donnerstag, 19. April 2007

maradona, de que planeta viniste?

a veces, el tiempo corre en circuitos y regresa con nosotros para hacernos recordar que no hay porque pensar que las cosas tengan que estar así como están. que nada es perpétuo, que nada es firme, que nada es igual.

que la inovación puede acordarnos del pasado y llenarnos de buena voluntad. que el cambio viene del cambiar.

que una pelota pisada por media cancha puede hacernos llorar. antes y ahora.



"¡Genio! ¡Genio! ¡Genio! ta-ta-ta-ta-ta-ta-ta... y Goooooool... Gooooool... ¡Espectacular! ¡Viva el fútbol! ¡Golazo! ¡Diegol! ¡Maradona! Estoy emocionado, perdónenme ustedes... Maradona, en una corrida memorable, en la jugada de todos los tiempos... barrilete cósmico... ¿de qué planeta veniste? Para dejar el camino tan simple, para que el país con el puño apretado, gritando por Argentina... Argentina 2 - Inglaterra 0... Diegol, Diegol, Diego Armando Maradona... Gracias Dios por el fútbol, por Maradona, por estas lágrimas, por este Argentina 2 - Inglaterra 0…”. "


Amén.

Sigue Messi. Y observamos como el tiempo corre en circuitos y regresa con nosotros para hacernos recordar que una pelota pisada por media cancha puede hacernos llorar. antes y ahora.

Dienstag, 17. April 2007

UPDATE: if you want to become a good reader

things to do if you want to become a good reader:

  1. be aware of fancy covers
  2. interrupt your lectures
  3. don't finish books that can't challenge and/or entertain you
  4. read Italo Calvino
  5. write
  6. cross your readings
  7. read Alberto Manguel
  8. go to lectures that have only been around for a short while
  9. be patient
  10. read Denis Diderot (Jacques le fataliste)


and (hardcore): the literary theory of Ottmar Ette (Germany).

Donnerstag, 12. April 2007

digital ethnography

ich will das jetzt mal unakademisch versuchen, denn ich habe keine lust, mich selbst zu langweilen, aber eins ist doch klar:

das netz hat porn endgültig zu einem substantiellen teil unserer massenkulturen gemacht, wenn auch leider ohne bedeutendes entwicklungspotenzial. es differenziert sich nur aus und wächst in kaum vorstellbarem maße. porn macht mode (auch wenn das französische label SHAI seinen sehr expliziten modekatalog wieder aus dem Netz genommen hat), porn wird studiert, porn wird jederzeit in täglichen 36-häppchen verfügbar konsumiert (diesen link NICHT im büro anklicken) wie eine tageszeitung, besser: wie ein filterkaffee am nachmittag: erleichternd, belanglos, manchmal nötig, schal. und porn ist mindestens so 2.0 wie das netz selber: wir sind porn. es gibt kein drittes anderes, es gibt keine kontrolle, es gibt keine verschwörung.

denn - und das ist der zweite punkt: wir sind die medienproduzenten unser eigenen existenz. wir sind Truman, wir machen die Show. wir sind EdTV, wir sind der minutenaktuelle cnn-journalist, eingebettet in uns selbst.

wird ent-essentialisieren die kunsttradition zweier jahrhunderte, in denen die inszenierung der eigenen biographie ein berufszweig des künstlers oder eine aufgabe des zeugen wurde. wir überführen die notwendige selbstverortung in einem sozialen netz in die simulation einer kommunikation durch die maschine. unser sicherheitsabstand, unser schutzradius von einem zu anderthalb metern, er ist jetzt der bildschirm, die kamera, die tastatur. wir tauschen ihn ein und verlagern das schamgefühl ins nichts. vor einer maschine gibt es keine scham. in diesem sinn ist eine maschine wie ein haustier.

das gesagt, stehen sie schon an der ecke: die ethnographen des digitalen, und beginnen das gebet einer neuen heilsgeschichte.



P.S.: dies ist übrigens kein YouTube-Werbevideo, sondern die arbeit einer forschergruppe. offenbar muss man sich hier für pathos nicht entschuldigen. tatsächlich gibt es schlimmere vergehen als dieses.

also können wir ruhig noch ein kleines webberwonderland-video zeigen. dieses hat sogar einen gewissen didaktischen wert:



ach so, und dass unsere gesellschaft von porn durchsetzt ist, weiss natürlich auch die literatur. da wird im heutigen berlin mitte (dem die duden-redaktion in ihrer neuesten ausgabe verboten hat, von sich selbst als 'szene' zu sprechen) artig in der gebetsmühle gevögelt und ... ach, eigentlich wurde (da: in der literatur) schon immer gevögelt.

Sonntag, 1. April 2007

zwilling

dein innerstes
liegt wach an deiner seite.

dasselbe buch,
von der welt
ein zweites mal gelesen.

eine letzte wahrheit tief in dir,
doch davon kein wort,
jedes wär zuviel.

du selbst bist differenz
und mühst dich nicht
sie einzuholen.

du schläfst auf einer hälfte
und auf der andren mit.

Dienstag, 27. März 2007

un niño

un niño, que ya no es muy niño, me pregunta:

¿porqué resulta que mientras aprendemos, nos damos cuenta de la altura de nuestras ignorancias?

y le contesto, firme y honesto, pero inseguro:
porque aprendes a ver de tanto lo que has leído.

porque sabes escuchar, de tanto que has de recordar.

porque logras sentir, ya que consigues, entre los toques y el empujón, tus encuentros.

porque aciertas holer, de tanto haberte acercado.

porque sabes más de tanto saber.

porque a tu hambre que te mantiene vivo, se te ha juntado un sabor de multitudes, de panoramas, de opciones.

porque de tanta opción te has vuelto mudo, ciego, apático y estéril. te has vuelto plano.

y empiezo a hojear un libro en búsqueda de una palabra que no le sé explicar.

él me mira triste, pero más firme que antes. y decide no preguntarme más cosas que no sé.

(05/marzo/2007)

Freitag, 19. Januar 2007

14471.blogspot.com

14471.blogspot.com ist mein literarischer bolzplatz. ein halbwegs umzäunter datenacker für den digitalen müßiggang. ein hochkoloriertes schlachtfeld aus zitaten, werkstatt-texten, reisefotos von netzvoyagen und eintäglichen zeitgeistfliegen.

14471.blogspot.com ist das unregelmäßige kalenderblatt eines sprunghaften querlesers, in dem langsam die erkenntnis reift, das ihn nicht genug texte wirklich überzeugen. mit gleichem tempo wächst die einsicht, das die eigenen keineswegs besser sind.

die frage, die bleibt, ist: an was hält sich das schreiben - heute noch - fest? und an was das lesen?

und durch was lässt sich der anschwellende stillstandsblues aufhalten, übertönen, besser noch: überflüssig machen? nochmal von null anfangen ist im zeitalter der uferlosen reproduktion des kunstwerks von vorneherein auszuschließen.

wo fangen wir also an?

Montag, 8. Januar 2007

blorges' life cycle


auch blorges hat seine zyklen. gerade läuft aber alles ganz gut.

bitte am 11.01. mit mir umzüge planen.


am 15.01. wird -bitte notieren- der jahrhundertroman verfasst und am

17.01. darf dann geknutscht werden.

wer selber ran will, knutsche bitte mit dem generator selber.

Donnerstag, 4. Januar 2007

nachts aufwachen und denken:

träumen ist, wenn aus gedanken räume werden.

(eigentlich vom 12.11.2006)

Donnerstag, 31. August 2006

nachricht aus der wiege der menschheit

seit einigen wochen ist mein guter freund josef nees als arzt in äthiopien, er wird dort noch bis april nächsten jahres bleiben. heute hat er mir und anderen einen ersten bericht von dort geschickt. ich habe den text nur leicht gekürzt:


ich kam hierher und hatte keine ahnung was dieses hier eigentlich ist. in meinen geistigen archiven fand sich nichts als"aermstes land der welt" und " hungersnot".

fast 4 wochen bin ich nun hier und ich weiss noch immer nicht wo ich bin. dieser ort ist in fast jeder beziehung fern dem mir bekannten und er fasziniert mich wie mich nur aeusserst selten irgendetwas in seinen bann gezogen hat.

dieses uralte abessinien existiert in grossen teilen jenseits unserer zeit. dieser raum mit seinen computern ist eine der wenigen verbindungen in die 90er jahre des letzten jahrhunderts. vor seiner tuer liegen die vergangenen jahrhunderte, nein, jahrtausende.

es ist ein archaisches land. es ist ein kulturland ohnegleichen. es ist nicht zuletzt die wiege der menschheit.
als ob die zeit hier etwas anderes waere als bei uns. keine kette, in der sich die ereignisse und neuerungen aufreihen und gewesenes langsam im nebel entschwinden lassen. sondern eine wiederkehr des immer gleichen. ein grosses fass in welches alles hineinfaellt um dann das immer gewesene und in seiner essenz immer geleiche zu bezeugen.

wenn ich am morgen zur arbeit laufe ist der wegrand gesaeumt von menschen und tieren. schwer beladene eselchen , getrieben von in weissen laken gewandten gestalten von denen nur die nackten fuesse, die haende und die augen zu sehen sind. frauen mit tonkruegen auf dem kopf und kindern auf den ruecken gebunden. kuehe und schafe. kaffeeduft steigt in die nase.

die menschen: fast ausnahmslos sauber, die tuecher bluehendweiss. hoefflich, friedfertig, kultiviert. sie stroemen mir des morgends entgegen wie aus maerchen aus 1001 nacht. und ebenso wenn der abend kommt. den ganzen tag scheinen sie auf der strasse zu verbringen, um einen auftrag bemueht der eine mahlzeit sichert...schuheputzen, ein paar karotten oder kartoffeln verkaufen, irgendwem irgenwie fuer einen Birr zu diensten sein oder etwas zu ersteigern um es ein wenig teurer weiterzuverkaufen. fleissige menschen die immerzu auf ihre kleine chance warten.

ich bin gut hier angekommen und moechte im jetzt auch nirgendwoanders sein als hier. hier im land von moslems, christen , juden und rastafari. hier im land in dem der nil seinen ursprung nimmt. in dem land der vielen voelker und ueber 80 sprachen...hat der biblische gott die babylonier hier ihre heimstatt finden lassen nachdem er ihre sprachen verwirrt und ihren turm zusammenbrechen lies? hier wo sich christliches und asiatisch hinduistisches brauchtum auf wundersame, unerwartete weise die haende reichen.

kauft euch ein buch ueber aethiopien und last euch ein wenig von mir anstecken. dies ist nicht nur eines der aermsten laender sondern auch eines der reichsten. hier hat man schon hoechste kultur gepflegt als wir germanen noch auf den baeumen sassen. und man pflegt sie immer noch waehrend wir die unsere schon wieder vergessen.

Dienstag, 28. März 2006

if you want to become a good reader

things to do if you want to become a good reader:

  1. select your readings
  2. interrupt them
  3. don't finish books thant can't challenge and/or entertain you
  4. read Italo Calvino
  5. write
  6. cross your readings
  7. read Alberto Manguel
  8. go to lectures that have only been around for a short while
  9. be patient
  10. read Denis Diderot (Jacques le fataliste)


and (hardcore): inhale the literary theory of Gerard Genétte (France) and Ottmar Ette (Germany).