lo mio
lo mio no es la gota que cae sobre la piedra.
lo mio es la gota que cae en el vaso.
y que lo hunde.
lo mio no es la gota que cae sobre la piedra.
lo mio es la gota que cae en el vaso.
y que lo hunde.
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blorges
um
15:45
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Das Teelicht ist der Schichtarbeiter unter den Kerzen. Wenn es sich auf seinen Arbeitsplatz setzt, weiß es immer schon, wofür es bestellt wurde, auch wenn er dafür nur schwaches Interesse aufbringt. Wird über das Teelicht gesprochen, dann so, als wäre es nicht dabei oder müsse doch zumindest nicht auch noch gefragt werden. So tut es einfach seine Arbeit: geräuschlos, pragmatisch, konzentriert. Da das Teelicht nicht als Licht, sondern als Wärmequelle dient, hat es vergessen, wie die Morgensonne oder der lange Abenddämmer auf die Menschen wirken. Seine Welt ist ein einziger Keller, in den ungeduldig Arbeitsbefehle gerufen werden.
Zum Wasser unterhält es wie jedes Feuer ein von Missachtung und Ablehnung geprägtes Gefühl der Minderwertigkeit. Allen Stolzes beraubt, lebt das Teelicht als Folge seiner industriellen Produktion im Unwissen über die Natur des Lichts und kennt seine Geschichten nicht. Teelichter wachsen ohne Mythen auf und verstehen die Welt als ein Gefüge aus Sachzwängen. Daher ihre Fähigkeit zur totalen Selbstbeherrschung.
Teelichter tropfen nicht, gehen nie aus der Form und verlieren nicht die Fassung. Jede Travestie, jeder törichte Versuch, glamourös zu wirken, überhaupt: die Annahme, etwas darstellen zu können, das man nicht geboren wurde zu sein, sind dem Teelicht gänzlich fremde, geradezu unbekannte Empfindungen. Es sehnt sich nicht nach der Aufmerksamkeit, mit der man Tropf- und Tischkerzen bedacht, denen erlaubt wird, über Jahre auch die besten Kerzenständer einzuwachsen, weil es über den restfeudalen Hochmut der Unterschicht verfügt, sich selbst genug zu sein.
Niemals lügt es, niemals kommt es auf eigene Ideen, schon bei der kleinsten Herausforderung gibt es auf. Das Teelicht ist reine Funktion und von allen natürlichen Lichtquellen der Maschine am nächsten. Selbst außerplanmäßige Einsätze auf Fensterbänken, zwischen Rosenblättern am Badewannenrand und auf nachlässig gepflegten Dielenfußböden erfüllt es mit einer an Apathie grenzenden Teilnahmslosigkeit und wenn es könnte, würde es, als Beweis für seine humorlose Sachlichkeit, dabei blau leuchten. Weißblau.
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blorges
um
16:56
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Labels: textdestille
dein innerstes
liegt wach an deiner seite.
dasselbe buch,
von der welt
ein zweites mal gelesen.
eine letzte wahrheit tief in dir,
doch davon kein wort,
jedes wär zuviel.
du selbst bist differenz
und mühst dich nicht
sie einzuholen.
du schläfst auf einer hälfte
und auf der andren mit.
von
blorges
um
04:01
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[Sommer 2005]
1978 war ein merkwürdiges Jahr. Zweimal verkündete der Vatikan stolz der Welt „Habemus papam!“, doch erst beim zweiten Versuch hielt der Gottessegen und das fast 27 Jahre lang. Es war das Jahr, in dem der erste deutsche Astronaut ins All geflogen ist und hätte ich nicht vor einiger Zeit „Good bye, Lenin“ gesehen, dann wüsste ich heute wahrscheinlich nicht, dass Siegmund Jähn ein Ostdeutscher war und würde mich leise darüber wundern, warum mir weder sein Name noch seine bahnbrechende Tat bisher ein Begriff waren.
Ich bin in Bonn aufgewachsen und da ist der Osten sehr weit weg. Zuerst existierte er gar nicht und war die unbekannte Fläche um West-Berlin, das aber auch kaum existierte. Von Wenders Film war mir nur die Stille in Erinnerung geblieben und das traurige Gesicht von Bruno Ganz, den ich aber wieder vergessen sollte. Den Osten gab es erst, als 1989 die Mauer fiel und ich mich auf einem Fest von Parteifreunden meines Vaters wiederfand, bei dem die Tische mit schwarz-rot-goldenen Papierdecken geschmückt waren. Das hat mich zwar gehörig irritiert, aber ich war noch zu jung, um dazu eine Meinung zu haben. Irgendwann standen alle Erwachsenen um den Fernseher herum, sangen die Nationalhymne und einige weinten. Später gab es ein Feuerwerk, aber das konnte man von dem Garten des Parteifreundes nicht so gut sehen, es standen zu viele Bäume im Weg.
1978 heißt ein Buch, das in diesen Tagen auf den Markt kommt und eine Reihe begründet, die sich „Diskothek“ nennt und die letzten 50 Jahre der Popgeschichte aufrollen will. Buch plus Musik. Das Booklet-Prinzip einmal andersrum. Merkwürdig nur, dass die bei 50 Jahren Popgeschichte genau im Jahr 1978 anfangen…das kann kein Zufall sein. Gerade höre ich auf Radio Eins, dass es dort jetzt eine neue Sendung geben wird, die heißt „Diskothek“ und stellt in jeder Sendung ein Jahr aus den letzten 50 Jahren Popgeschichte…
So etwas nennt man „Cross-media-promotion“ und da es sich in diesem Fall um meine Stammzeitung und -radiosender handeln, die hier Hand in Hand aufgemotzte Sampler verkaufen, finde ich das gar nicht mal schlecht. Ich kann es gar nicht schlecht finden. Aber kaufen werde ich das nicht, ich hab ja schon die SZ-Bibliothek und die nimmt soviel Platz ein, dass ich mir gleich ein zweites Bücherregal kaufen musste. Immerhin hab ich nun einen Band der Diskothek, der bleibt jetzt wie ein Botschafter neben der Anlage stehen und kann mir vorschwärmen, wie toll es wäre, doch mal all seine Kollegen kennen zu lernen. Doch ich werde nicht weiter zuhören. Mich interessiert nur die 1978.
Quersumme 25, also eigentlich 7. Immer diese sieben.
Ich werde an einem 16. September 2005 heiraten. Das ist nach ein bisschen Kabbala dreimal sieben, doch eine gute Freundin hat mir mit viel Hoffnung in den Augen gesagt, das sei ein gutes Zeichen, die sieben sei überhaupt ein gutes Zeichen und dieses, das Jahr 2005, gerade deswegen auch ein gutes. Sie will in diesem Jahr hier in Berlin eine Buchhandlung eröffnen, in Mitte. Hier ist jeder zwischen 25 und 30. Wir merken langsam, dass wir auch eine Generation sind und werden dabei langsam erwachsen. Es ist wie vor einer Theaterpremiere: Weil ich etwas nervös bin, muss ich dauernd aufs Klo, aber ich freue mich auf das Stück, das Publikum, das Licht.
Für uns alle ist irgendwann mal Zeit fürs Licht.
von
blorges
um
02:23
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Labels: pop und plastik, textdestille
un niño, que ya no es muy niño, me pregunta:
¿porqué resulta que mientras aprendemos, nos damos cuenta de la altura de nuestras ignorancias?
porque aprendes a ver de tanto lo que has leído.
porque sabes escuchar, de tanto que has de recordar.
porque logras sentir, ya que consigues, entre los toques y el empujón, tus encuentros.
porque aciertas holer, de tanto haberte acercado.
porque sabes más de tanto saber.
porque a tu hambre que te mantiene vivo, se te ha juntado un sabor de multitudes, de panoramas, de opciones.
porque de tanta opción te has vuelto mudo, ciego, apático y estéril. te has vuelto plano.
von
blorges
um
00:57
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an ihr ist sprache.
sie klebt wie teig aus sehnen an uns fest.
und atmet still. und wächst.
sachte legt sie wörter fest und fester
und nichts steht außer ihr allein für sich.
wie ein muskel, der gereizt
auf alles reagiert.
an uns ist sprache.
ein kleiner rest.
wie teig aus sehnen
wächst er fester.
von
blorges
um
10:28
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träumen ist, wenn aus gedanken räume werden.
(eigentlich vom 12.11.2006)
von
blorges
um
03:56
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Labels: textdestille, wahrheiten, zentrifugalsätze
glas -- stern -- zitrone -- klee -- brillianten -- kitzeln -- frühling -- klingeln -- rapsfeld -- ihr lächeln -- balsam -- fanfare -- mozart -- kuss -- lecken -- geburt -- bazar -- karusell -- kyrie -- gelassen -- liebe -- sie haben gewonnen -- mini -- keck -- mädchen -- novelle.
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blorges
um
06:45
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Labels: textdestille
mordor -- krankheit -- bruch -- hass -- furunkel -- gestank -- fletschen -- reissen -- kotzen -- loch -- tasche -- lust -- krampf -- panikattacke -- geschlossene abteilung -- abgebrochene antennen -- donner -- horn -- verbrechen -- geist -- kanone -- kant -- groll -- grotesk -- brutal -- befehl -- wunde -- lahm -- psychose -- schloss.
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blorges
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07:06
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revolution
neulich fand ich eine flasche
in der wohnung,
die war schon vor uns
hier vergessen worden.
über die jahre
hatte man sie geleert:
verschüttet, versoffen,
zerkratzt, verstopft.
nur selten noch fiel ein tropfen
auf den billigen teppichboden.
und stank dort.
nach nichts.
jetzt will ich sie zurückgeben,
die flasche, war schon
in supermärkten und tankstellen
im getränkeladen und am kiosk.
aber keiner will mir das pfand bezahlen.
es heißt, sie wäre nicht von hier.
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blorges
um
20:28
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alberto chimal veröffentlicht jeden mittwoch auf seinem blog las historias literarische werkstatt-übungen. dieses wochenende habe ich sie zum ersten mal gemeinsam mit elke, esther, silvana und esther ausprobiert.
besondere stilblüten (besser: -früchte) hat folgendes exerzitium hervorgebracht:
man nehme frei zu wählende prä- oder suffixe und kombiniere sie fröhlich mit vorhandenem wortgut. dazu schreibe man kurze einträge im stile eines (fremd-)wörterbuchs.
es geht los:
entzielstrebigen: einfach alle viere von sich strecken.
(silvana)gottesableger: männliches selbstverständnis als ebenbild
gottes. (elke)sakrophil: das heilige liebend, besondere Form religiöser
verehrung. im zuge der katholischen heiligenverehrung verbreitete auffassung echter spiritualität. (tobias)liebeshalde: treffpunkt tragisch verlassener ehemänner. (esther)
eintratschen: warmlaufen in einem dialog. (silvana)
ab- und zuhälter: jemand, der ab und zu zu einem hält; oder: der andere davon abhält, zu mir zu halten. (elke)
vertrinken: in der reihe: trinken, antrinken, betrinken, vertrinken, kotzen, bekotzen. stadium nach dem betrinken bei welchem sich der vertrunkene selbst nicht mehr erkennt, meist von starken artikulations- und koordinationsproblemen begleitet. (esther)
patofeudal: krankhafter revisionismus; ausgeprägtes krankheitsbild bei britischen royalisten und, in abgewandelter form, bei lateinamerikanischen großgrundbesitzern. dort auch bekannt als patofeudalitis latifundita. (tobias)verstuhlt: pädagogische bezeichnung für das bewegungsarme
unterrichten an deutschen schulen. (esther)post-intelligenz: geklärtes, realistisches bild des
bestehenden wissens ohne sich hinter angeblichen kompetenzen zu verstecken. (silvana)zwischenlust: die lust zwischen den lüsten; z.b. essen nach und vor dem beischlaf. (elke)
danke für das schöne wochenende, die damen. war sehr produktiv und lehrreich. ihr habt mir ordentlich den kopf gewaschen. werde mich bemühen, in zukunft den schädel gewaschen mitzubringen.
von
blorges
um
16:19
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in einem post vom 14. april habe ich hier eine vorläufige version von die lenden veröffentlicht. dieser text war, genauso wie der folgende es sein wird, teil einer gerade entstehenden kurzprosa-reihe, in der ich mich schreibend körperteilen, besser: -regionen nähere, inspiriert durch die textsammlung werkzeugkasten oder caja de herramientas von fabio morábito.
der nacken
Gäbe es nicht unser eitles Haargewinde, der Nacken läge offen und entblößt wie ein Auge in seiner Kuhle, so wie das Loch in einer alten Baumrinde, nur zufällig wurde ein wenig Haut über ihn gespannt. So versteckt er geschickt sein eigentliches Wesen. Er ist Knotenpunkt unserer Existenz und streng gehütetes Geheimnis.
An der Nackenlinie verläuft der zentrale Disput in der Geistesgeschichte der Menschheit, er ist – durch seine unverrückbare Verbindung zwischen Kopf und Rumpf – der unauslöschliche Beweis für eine Vereinbarkeit zwischen Geist und Körper. Die Menschheit hat sich jahrhundertelang der Tötung durch Abtrennung des Kopfes vom Körper am Nacken bedient, um genau diese Verbindung zu trennen, dieses Skandalon des Menschen aufzulösen. Durch den Nacken betritt der menschliche Geist den Körper, er ist das Eingangsportal, hinter dem unsere Vorstellungskraft auf die Wirklichkeit unserer physischen Existenz zurückgeworfen wird. Er ist durchlässige, ja nachlässig bewachte Grenze, Vorhof der intimsten und tiefsten Missverständnisse zwischen dem Notwendigen und dem denkbar Möglichen.
Der Nacken kommuniziert den royalen Großmut des Großhirns mit den Nöten und Bedürfnissen der von tausend Lasten und unzureichender Muskelmasse geschwächten Wirbelsäule. Er klagt an und versteift sich wie ein Funktionär des Proletariats, wenn sich in ihm der Eindruck erhärtet, die Großkopferten dort oben hörten ihm nicht richtig zu. Seine Parteilichkeit ist eindeutig, denn er weiß um die Bedeutung seiner Rolle in dieser ewigen Tragödie aus Immer-schon-da-gewesen und Nie-was-anderes-gekannt, in diesem immerforten Disput der Hierachie. Er allein kennt den Kern des Problems, er allein weiß, dass Geist und Materie, dass Hirn und Körpermasse nur deswegen sich nicht verstehen, ja sich nie ohne ihn zu verständigen wüssten, weil sie eines fundamental voneinander trennt: die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden. Und so zurrt der Nacken die Seile immer fester, je weniger sich das Großhirn um seine niederen Vasallen kümmern will. Mit der Kraft seines Wissens um die tägliche Mühen der Nervenbahnen, ihrer ungedankten und ewig ausführenden, niemals kreativen Arbeitsprozesse, transportiert er die Schmerzwellen wie Warnschüsse auf die Kopfhaut, an die Großhirnrinde und damit auf die Straße. Migräneattacken sind Warnstreiks des Körpers unter der Führung des Nackens. Seine Macht liegt in der Tatsache, dass er diese Zwischenwelt bewohnt, in der sich keine der beiden Parteien ganz mehr auskennt, er wohnt in einer Art befriedeten Zone, ist Vermittler, Diplomat, Friedensforscher.
Über den Nacken entscheidet sich, was reinkommt und was nicht. Er ist das Scharnier unserer Haltungen zur Welt. Durch ihn bestätigen wir uns und andere in den Dingen, mit ihm schwingen wir uns auf zu der Eindeutigkeit eines Neins. Von dort, von hinten und aus der Deckung, geben wir das Kommando an die Front und wackeln unseren Schädel passend zu unseren Meinungen und Vorstellungen. Er ist General und Dompteur zugleich, ein Vorbild an gelebter Demokratie.
Er ist der Fluss, über den die Schiffe das eine mit dem anderen Ufer verbinden, durch ihn wird Konsens an den Grenzen der Verständigung möglich. Er richtet uns auf, er gibt uns preis. Ehrlicher als der Nacken wird nichts in uns.
von
blorges
um
00:16
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es gibt werbetafeln, die findest du nur unter der erde, im dunkeln, bei hoher geschwindigkeit. wenn sie dich finden.
es sollte streitgespräche geben, die sich flüstern lassen.
es gibt wörter, sätze, bücher, welten, die lassen sich nicht übersetzen, die behalten sich eine gewisse autonomie der herkunft vor. denen kann man nur auf ihrem boden begegnen.
es sollte niemand daran gehindert werden, so bei rot über die ampel zu gehen, dass es keiner sieht. vor allen dingen nicht die ampel.
von
blorges
um
00:19
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vor einiger zeit habe ich in einer meiner unzähligen SZ-lektüren eine rezension gelesen über ein buch von h.-u. gumbrecht, den football-philologen aus stanford, der früher mal ein echter hot shot der akademia war und heute hier in old dschermany nicht mehr so ganz als la última coca del desierto gehandelt wird.
nun denn, gumbrecht wird in besagter rezension also saftig verrissen - übrigens von einem tal andreas dorschel - und dann steht dort der kluge satz:
genauigkeit bemisst sich am verhältnis von wahrnehmung und denken zur sache, nicht am gewählten jargon.
von
blorges
um
00:45
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die lenden sind ein konzert von verheißungen, das versprechen einer eitlen schönheit gegen die sattlosen blicke der anderen. die lenden sind so schwach, weiß und weich, dass sie sich in die sphäre größter unnahbarkeit flüchten, um nicht preisgeben zu müssen, dass sie nur teil von etwas sind, durchgang zum ziel, übergang und nebensache. eitel wie es ihrer art entspricht, sind ihnen die lüsternen und geheimnisvollen kniekehlen genauso verhasst wie der reiche und machtvolle schoß, auf den sie unterwürfig hinführen. sie hassen diesen schoß, ihren selbstbewussten gebieter, für seine machtfülle, für sein ewiges, stolzes letzes wort, sie verachten ihn für die rolle, die er ihnen, den lenden, diesen ewig zweiten, verleiht.
die lenden sind die schwache schwester der starken oberschenkel, die zwar selten schön, aber immer bedeutend und wichtig sind, denen das rampenlicht so vertraut ist wie die verkleidung. da sie nie nach vorne schauen können und dazu verdammt sind, sich alles schöne, große und neue der welt erst von den oberschenkeln erzählen lassen zu müssen, sind sie etwas unbedarft, wenn sich jemand direkt an sie wendet.
sie neigen zuweilen zur schüchternheit und haben über die jahre gelernt, mit allem erzählten, mit jeder groß angekündigten anekdote skeptisch umzugehen. deswegen gelten sie auch als besonders klug und umsichtig. sie vertrauen keinem, der ihnen großspurig die welt als etwas strahlendes verkaufen wollte, sie kennen den schatten und haben gelernt, mit ihm umzugehen.
sie sind das schöne aber etwas blasse mädchen mit brille, das jeder in der schule übersieht und beim lauten wechsel von dem einem zum andern klassenzimmer anrempelt, ohne sich dafür zu entschuldigen. sie sind dieses blasse mädchen, das in drei von vier fällen mit zweiunzwanzig, wenn es zu sich und zu einem passenderen haarschnitt gefunden hat, so selbstbewusst geworden ist, dass es sich auf seine unbezweifelbare Schönheit nichts mehr einzubilden braucht. wir neigen dazu, uns an diese art von mädchen erst zu erinnern, wenn es zu spät ist, um noch einmal auf das gemeinsam erlebte zurück zu kommen. genauso verhält es sich mit den lenden und unserer oberflächigen beziehung zu ihnen. [...]
...mehr demnächst auf einer dieser lesungen in potsdam.
[dieser text ist teil einer gerade entstehenden reihe von texten, in denen ich mich schreibend körperteilen, besser: -regionen nähere, inspiriert durch die textsammlung werkzeugkasten oder caja de herramientas von fabio morábito]
von
blorges
um
20:32
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das folgende ist ein fragment, eine art arbeitsnotiz zu einer kurzgeschichte, die ich mir seit etwa einem halben jahr vornehme zu entwickeln. es hier so zu veröffentlichen, soll nicht den tod dieses vorhabens einläuten, sondern ihm vielmehr neuen auftrieb geben.
die stadt der arbeiter
plot: stadt, in der die arbeiter in fast quadratischen wohnblöcken wohnen, die unterirdisch über ein kanal-transportsytem mit den jeweiligen arbeitsgebäudeblöcken verbunden sind und, aus gründen der ökonomie, über keine eigenen ausgänge verfügen. eingelassen in die decke der eingeschossigen wohnsegmente ist ein großes fenster, das einzige fenster der wohnung. die wohneinheiten der arbeiter sind alle gleich groß und jeweils ohne zwischenräume aneinander gebaut. so ergeben sie eine gleichmäßige fläche auf ihren dächern, die letztlich ein großes dach, ein großer steinboden sind, in den in immer gleichen abständen die kratzfesten glasfenster der wohneinheiten eingelassen sind. von oben betrachtet sind sie beinahe schön. besonders nachts, wenn die arbeiter in ihren wohnungen die lichter anschalten. um das so entstehende lichtfeld ästhetisch etwas zu variieren, hat die zentralexekutive (ZEX) die produktionseinheiten der lichtindustrie „angeregt“, den weichen gelbton der birnen in einem verhältnis von 1:5 in ihren fertigungsreihen zu alterieren. es entstand die glühbirne LuxUs, modell 1-5. in den meisten fällen lag die entscheidung bei den arbeitern selber, welchen farbton sie für die beleuchtung ihrer wohnungen wünschten. hin und wieder konnte man, wenn der zähe luftverkehr es zuließ, von den wohnungen aus den himmel sehen und manchmal, vielleicht im abstand von ein paar tagen, lief in der abenddämmerung oder ganz früh am morgen, ein hund über das fenster und blieb kurz stehen. es schien immer der gleiche hund zu sein: groß und schwerfällig, mit schwarzem Fell und einem ausdruck von trägem stolz in den augen. wenn er sich entschlossen hatte weiterzugehen, vielleicht zum nächsten fenster, sah man die schwere leine, an der er einen sicherheitsbeamten über die plane steinfläche der wohnquadrate zog. manchmal blieb dieser auch einen moment stehen und schaute kurz nach unten in die wohnung, bevor er sich entschied weiterzugehen und vielleicht morgen, vielleicht aber auch erst in vielen wochen wiederzukommen.
von
blorges
um
15:11
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gerade kommt ein frisch gewürzter tip durch den äther. blogs aus dem norden. aus borderland. where the polleros laufen, über dühnen, über unbewohnte berge voller leere. voller tod. voller drucksensibler bodenwellen, die in den zentralen lichter zum leuchten bringen, motoren zum heulen und menschen zum rennen.
in borderland, there runs a myth that you can cross where no one has crossed before. you can cross to what they call a fragile sense of freedom. freedom to be purchased. freedom to be persued.
to literatos, that means, a lot of space (d.h. der unbewohnte), auf dem es sich zu schreiben lohnt. zu kratzen und zu sprayen. stickie goes to hollywood and even beyond that.
stickie klebt auf grenzzaunstacheln und reißt sich nur mit mühe los, denn bis zum nächsten erntefeld ist es noch ein stück.
von
blorges
um
15:51
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Labels: da draußen, textdestille, wahrheiten, zentrifugalsätze
du übersetzt nicht nur, du setzt auch über land
und über deiner schrift sind lieder über siege
denn besiegte setzen hier nicht über.
überall blüht schrift verkehr aus zungen über
seegewässern kreuz und quer die schiffe
ankern. chifre deiner zungenlandschaft.
beständig sind es brücken die du querst
vektor zu einer losen welt
transit der die weichen stellt
weiche stellen an den ufern.
brücken überführen dich
zu außer dir gesetzten städten, setz dich
außer mir hier hin und übersetz
befindlichkeit
ohne festen wohnsitz.
bitte kreuz und quer die wege
deiner zungenschlagerhebungen
und lass sie wörter drehen
um und über deinen bosporus.
du befindest außer dich dir
steht ein raum gut zu gesicht.
ein raum der schreibbewegungen.
von
blorges
um
11:17
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dich gibt es nicht
in meinem kopf
und nicht in ihrem.
nur in seinem,
da sind spuren.
transatland
du bist nur sand
vor meinen füßen
und die türen
sind der blick
auf menschenleere fluten.
von
blorges
um
23:23
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